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On Hiatus In 3-4 Wochen zurück!

Kapitel 18

°Lara°

Geschockt starrte ich Lisi hinterher, welche überstürzt aus dem Raum gerannt war und nun schon seit einigen Minuten aus meinem Blickfeld verschwunden war. Dann glitt mein Blick zu Tom, welcher immer noch zu Markus starrte, dieser sah nun betreten zu Boden und rieb sich die Hände an seiner Hose.
‚…in dich verliebt.’, gingen mir seine Worte durch den Kopf.
Wie musste Lisi jetzt fühlen? Sie war doch in Tom verliebt…
Und wie musste Tom sich jetzt fühlen? Ich kannte ihn ziemlich gut und konnte ein wenig einschätzen, was er als nächstes machen würde.
Er würde sauer werden. Richtig sauer.
Es kam nicht oft vor, aber wenn er etwas für ein Mädchen fühlte, dann wollte er es auch haben. Und richtig verliebt war er meines Wissens noch nie. Also konnte man sich auf einen Kampf vorbereiten. Ich wollte nicht dabei sein, wenn die beiden anfingen, sich zu prügeln. Und Lisi brauchte jemanden, der sie in den Arm nahm. Es war doch alles so Scheiße für sie.
Toms Blick verriet mir, dass meine Vorahnung eintreten würde.
Es war nur noch wenige Sekunden totenstill im Raum, dann ballte Tom seine Fäuste und kurz darauf lag Markus am Boden.
Erschrocken zuckte ich zusammen und schrie auf.
„Du Arschloch, was bist du verdammt?!“, schrie Tom und trat mit seinem Fuß auf Markus’ Bauch.
„Ich kann doch überhaupt gar nichts für meine Gefühle! Wenn ich sie liebe!“, keuchte dieser, versuchte sich unter Toms Gewicht zu wehren. Das war jedoch schwer. So schlank Tom auch war, Kraft hatte er genügend zur Verfügung.
„Tom!“, schrie ich und schmiss mich auf seinen Rücken, zog ihn mit aller Kraft weg. Das Einzige was ich schaffte war, dass ich mit dem Hintern auf dem harten Boden landete.
Markus sprang auf und boxte seine Faust mit aller Kraft in Toms Bauch. Dieser flog zwei Meter nach hinten und trat direkt auf mein Bein, stolperte über mich und knalle mit dem Hinterkopf an die Wand.
Mein Blick nahm nur schemenhaft war, was ich sah. Toms Augen fielen zu, sein Mund klappte auf. Markus Hände ballten sich enger zusammen.
Klemmi und Bill standen fassungslos und scheinbar unfähig etwas zu tun da und starrten auf die Beiden.
Dann aber konnte man in der Luft förmlich die Spannung knistern hören. Wie in Zeitlupe sah ich, dass Bills Hände sich anspannten, seine Zähne fletschte er, ein leises Knurren war zu vernehmen, ehe er Markus einen Kinnhaken verpasste, dass er umfiel und auf der Couch zum Aufprallen kam.
„Bill!“, brüllte ich, konnte mich jedoch weiterhin nicht bewegen, ich war wie angewachsen. Panisch blickte ich zu Klemmi, welcher meinen Blick bemerkte und Bill dann von Markus wegzog.
„Bist du blöd?“, schrie ich aufgebracht und zugleich sauer auf meinen Freund, der eigentlich hätte sollen die Schlägerei beenden und nicht mit einsteigen. Wütend presste ich ihn an die Wand, damit er sich nicht mehr bewegen konnte und sah ihn böse an.
„Du bewegst dich jetzt nicht mehr!“
Toms Augen flatterten auf und er rieb sich stöhnend den Kopf, dann sah er Markus, welcher nun ebenfalls aufstand.
Da ballte er die Fäuste und verließ wütend den Raum.
„Ihr seid so blöd alle zusammen!“, murmelte ich ein wenig enttäuscht, da ich nicht wirklich geglaubt hatte, dass die sich so streiten würden.
Ich stampfte aus dem Zimmer und sprintete die Treppen in den ersten Stock hinauf, wollte Lisi suchen. Ich lugte in jedes Zimmer hinein und fand sie schließlich in Toms Zimmer auf dem Boden hinter der Tür; Tom stand schnaubend, mit einem bitterbösen Blick vor ihr und stierte Lisi an. Meine Freundin sah ängstlich zurück und folgte Tom mit dem Blick, während er sich auf sein Bett fallen ließ und keinen Laut mehr machte.
„Hey, ist doch gut.“, flüsterte ich und umarmte sie fest. Ein leises Schluchzen war von Lisi zu hören, nicht mehr.
Ich spürte wie mein Shirt langsam nass wurde und wie ihre Arme sich enger um mich legten, sie klammerte sich an mich wie ein kleines Kind das tat.
„Alles ist Scheiße…“, flüsterte sie und lehnte sich wieder mit dem Rücken an die Wand.
Von Tom war jetzt ein Grunzen zu hören, er wollte wohl in Ruhe gelassen werden.
„Tom!“, kam Bill ins Zimmer gestürmt und sprang zu seinem Bruder auf das Bett.
„Geht’s?“, fragte er einfühlsam und strich ihm über den Rücken.
Wenn die Zwillinge sich gegenseitig trösteten, dann könnte ich stundenlang dabei zusehen. Es war so süß, wie vertraut sie sich waren.
Ich zog Lisi auf die Beine und hinaus aus der Tür, hinein in Bills Zimmer und setzte mich neben sie aufs Bett.
„Mach dir kein Problem daraus. Sie das Positive daran. Zwei Jungs sind in dich verliebt, das hatte ich noch nie- sei stolz darauf! Sie sollen sich das doch selbst ausmachen, oder?“
Lisi nickte leicht, zuckte dann mit den Schultern und rieb sich über die Augen.
„Ich weiß nicht was ich machen soll. Wie konnte er sagen, dass… wir zusammen über Fabi hinwegkommen? Das ist doch nicht wahr, ich will nicht über ihn hinwegkommen. Ich will ihn bei mir haben. Weißt du, ich kann gar nicht glauben, dass er tot ist. Es kommt mir vor als wäre er nur eben im Hotel und ich wäre hier bei dir oder so. Weißt du? Das alles ist so… so unwirklich. Irgendwie möchte ich sterben, weil er tot ist. Andererseits möchte ich seine Nummer wählen und mit ihm reden…“
„Wir haben uns erst vor ein paar Tagen kennen gelernt, da war noch alles heile und jetzt ist alles so… ich kann auch nicht ganz glauben, was passiert ist. Es tut mir so schrecklich Leid, obwohl ich Fabi gar nicht so gut gekannt habe.“, murmelte ich und legte meinen Arm um meine beste Freundin.
Es blieb ein Weilchen lang mucksmäuschenstill im Raum, dann räusperte Lisi sich leise und fing einfach an zu erzählen. Trotz der zahlreichen Tränen, die über ihre Wange perlten, sprach sie über ihre Kindheit, über den Tod ihrer Eltern, über ihr Verhältnis zu Fabi und was die beiden alles zusammen erlebt hatten. Wie sie in den ersten Wochen im Heim gelitten hatten, wie sie manchmal aneinander gekuschelt auf einer Bank saßen und weinten. Und wie sie schon immer einen Konflikt mit Angelika gehabt hatte, vom dem ersten Tag an.
Es war wieder still, von draußen hörten wir Flüstern, ignorierten es jedoch gekonnt und umarmten uns fest. Ich wollte da sein für sie, wenn es ihr so schlecht ging. Ihr bester Freund war gestorben- ganz plötzlich. Eigentlich wusste ich nicht recht, wie ich mit ihr umgehen sollte, was ich sagen sollte um sie zu trösten. Aber es waren doch nur ganz kleine Dinge und Gesten, die ihr ein Lächeln ins Gesicht zauberten.
Und dann kam das wichtigste. Sie erzählte mir einfach ihre Gefühle für Tom- einfach alles. Wie sie ihn das erste Mal gesehen hatte, was sie gedacht hatte, wie sie ein Kribbeln im Bauch bekam, wenn er sie ansah, wie sein Grinsen ihr Schmetterlinge im Magen verpasste und wie sie gerührt war, als er sie getröstet hatte, als sie vor Markus weggelaufen hatte. Wie geschockt sie darüber war, dass Markus, einer ihrer besten Freunde, in sie verliebt war und dass sie gar nicht wusste, was sie dazu sagen sollte. Sie liebte ihn nicht, aber sie mochte ihn nicht als Freund verlieren. Sie hatte ihn gerne und hatte ihn schon immer gerne gehabt, aber nicht mehr. Rein freundschaftliche Gefühle.
Ich ließ kleinlaut verlauten, dass die beiden sich geprügelt hatten und Bill gleich darauf eingegangen war. Er war nun mal so. Um vom Thema ein wenig abzulenken erzählte ich ihr, auf ihren Wunsch hinweg, wie ich die Jungs kennen gelernt hatte und wie sehr ich Bill liebte, wie viel er für mich bedeutete. Sie meinte zu mir, dass sie total süß fand, wie wir miteinander umgingen. Da erklärte ich ihr, dass das eine andere Art war, uns zu sagen, dass wir uns liebten. Wir gingen einfach immer so mit einander um, zogen uns gegenseitig auf. Das brauchten wir einfach, da wir beide ziemlich lustige Menschen waren und komisch obendrein auch noch, da hätte es gegen uns gesprochen, wenn wir ganz normal miteinander geredet hätten. Es war einfach nicht unsere Art, uns normal zu verhalten. Wenn wir uns mittags trennen mussten, da jeder nach Hause ging, da küssten wir uns immer und zeigten uns dann den Mittelfinger. Es war einfach niemals langweilig mit Bill, irgendetwas fiel uns immer ein. Und wenn doch einmal tote Hose war, dann hatten wir trotzdem Spaß indem wir zum Beispiel eine Tortenschlacht machten.
Lisi lachte laut auf, als ich ihr das erzählte- das freute mich wiederum so sehr, dass ich ihr um den Hals fiel und wir in einen Lachanfall ausbrachen.
Dieser wurde durch ein dumpfes, tristes Klopfen an der Tür unterbrochen, welcher wirklich nicht freudig klang. Und Bill hatte bestimmt nicht angeklopft, der klopfte immer in irgendeiner Melodie an die Tür.
Somit sahen wir beiden gespannt zur Türe, die sich langsam öffnete.